Monat: März 2019

Zen verstehen – als Non Dualismus – monistische Denkweise (Die Mitte von allem + und -)

Non-Dualismus, monistische Denkweise
Die Advaita-Philosophie ist die einzige Nur-Sichtweise, die
höchste Philosophie, in der die einzige Realität gelehrt und beschrieben
wird und das ist Gott = alles ist Gott.

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Der Mensch wird verstehen lernen, dass er sich dual oder monistisch
verhalten und denken kann. So kann er dann situationsgerecht
das eine oder das andere einsetzen. Man kann nicht generell
sagen, dass die eine Sichtweise richtig oder falsch sei, es
kommt auf die Umstände an.

Wir müssen auch hier im spirituellen
Denken lernen, in verschiedenen Bewusstheitsebenen und
Dimensionen zu denken und zu leben = zu Sein. Wir können uns
in unserem Auto oder in unserer Wohnung aufhalten, doch im
Auto leben wir ein anderes Verhalten als in der Wohnung und wir
können nie beides gleichzeitig sein oder leben.

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Aber deshalb
kann nicht gesagt werden, das eine sei richtig und gut und das andere
sei falsch und schlecht. Von einem hohen Berggipfel aus
wird die Aussicht anders beschrieben als vom Tal aus gesehen.

Keine Beschreibung ist falsch oder richtig. Sie ist eben anders.
Wenn wir alles – nur von einem Punkt oder einer Sichtweise
ausgehend in der polaren Welt – beschreiben wollen, macht das
eng und alles wird begrenzt gesehen.

Es gibt viele Möglichkeiten,
die Schöpfung zu beschreiben. Ebenso sind die Erfahrungen
und die Erlebnisse in spiritueller Hinsicht individuell ganz verschieden.
Dieses anzuerkennen, auch wer dasselbe noch nicht erlebt
hat, ist tolerantes Verhalten. Doch in der heutigen Zeit werden
solche Erlebnisse und Betrachtungsweisen verspottet und
verunglimpft. Das ist leider eine traurige Tatsache.

Vom polaren stofflichen Denken ausgehend müssen wir besser
für das Alter vorsorgen oder ein Haus bauen, Kinder bekommen,
einen Beruf erlernen, ein Geschäft aufbauen und vieles
mehr. Dabei lernen wir ganz nebenbei eine wichtige Tugend, den
Verzicht. Verzichten zu können macht frei und es ist besser, wir
üben es freiwillig, als vom Schicksal dazu gezwungen zu werden.

Vom monistischen, spirituellen Denken ausgehend hören
viele Vorplanungen auf, ebenso das Denken an das Morgen oder
Gestern. Man lebt im absoluten Jetzt.
Der polar denkende Mensch betrachtet alles, was ist, als
Vielfalt und voneinander getrennt existierend. Für ihn ist alles
individuell und die Einheit eine Täuschung.

Der monistisch denkende Mensch betrachtet alles, was ist,
als Einheit und daß nichts voneinander getrennt existiert. Für
ihn ist alles universell und die Vielfalt eine Täuschung des Geistes
= der Maya.

Polares Denken ist ein kindhaftes Denken. Erwachsen zu
werden ist ein Entwicklungsprozess, der mit viel Üben und
Disziplin verbunden ist.

Monistisches Denken ist ein reifes Denken und es muss
nichts erwachsen werden in seiner Entwicklung. Das sind nur
Namen und Formen, die kommen und gehen. Die wahre Wirklichkeit
des Menschen ist der Atman = das Ich Bin = der Christusfunken.
Er ist unveränderbar, allwissend und ewig.

Polar gesehen habe ich einen Körper, aber ich bin nicht dieser
Körper. Monistisch gesehen bin ich nicht dieser Körper, ich
bin reines, ewiges Gewahrsein.

Polar gesehen entsteht aus dem Bewusstsein der Geist. Anfänglich
war der Geist rein und jungfräulich. In der Zwischenzeit
ist der Geist unrein geworden. Jetzt muss alles wieder
in die Reinheit zurückgeführt werden.
Monistisch gesehen war nie etwas unrein und wird es auch
nicht werden.

Wir leben in zwei Welten, in einer relativen Welt und in einem
Sein der absoluten Realität und zwar gleichzeitig. Das darf
uns nicht verwirren. Menschsein bedeutet, diese beiden Möglichkeiten
zu verstehen. Einmal sind wir in einem Traum in der

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relativen Welt, dann sind wir im Bewusstsein in der absoluten
Realität. Wir dürfen es jedoch nicht als gegensätzlich ansehen.
Das eine nennen wir Schöpfung, das andere Göttliche Einheit.
Doch die Schöpfung ist ebenso Gott, alles ist Gott, auch der
Traum, den Gott träumt, ist Gott.

Der Träumer ist die Realität,
das was Er träumt, ist relativ und alles hat seine Berechtigung.
Ich, der Atman, kann mich als der Träumer empfinden oder als
der sich im Traum Befindende. Nicht nervös werden, lass los.
Jeden Tag ein bisschen monistisches Denken üben, bis es

selbstverständlich
geworden ist.

Der weise Mensch offenbart, dass er alles ist, das höchste
himmlische Wesen und die kleinste Form, die Amöbe, alles ist er.
Was in der Zwischenzeit geschah, das kümmert ihn nicht. Es
genügt ihm zu wissen, daß er alles ist. Obwohl er sich in der Welt
befindet und sie wahrnimmt, bleibt er in der Gelassenheit, weil
er weiß, außer dem Wahren Selbst gibt es keine Existenz.

Denken
wir an den Ausspruch von Jesus: „Ich bin nicht von dieser
Welt.“

Polar gesehen geschieht jetzt ein Sinneswandel. Wir bleiben
in unserer Pflicht, im stofflichen Geschehen verändert sich
nichts. Nur arbeiten wir nicht mehr für unsere Körperbedürfnisse,
die Firma, die Familie und die Sinne, sondern wir arbeiten und
leben für Gott.

Monistisch gesehen ist die Familie, die Firma, die Arbeit usw.
alles Gott. Da es ausser Gott nichts gibt, tun wir alles für Gott.,
im Endeffekt tun wir alles für uns selbst.

Denken wir jetzt nicht an das Geld, das wir nicht haben oder
dringend benötigen, denken wir vom Prinzip ausgehend, nicht
individuell sondern universell. Das Geld gibt es nicht schon immer,
aber jetzt gibt es genug davon auf der Welt. Jedoch ein paar
Egoisten, die sich in Machtpositionen befinden, bringen es fertig,
den größten Teil für sich zu organisieren. Es ist möglich ge-

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worden, daß ein Diktator Millionen in die Schweiz auf sein
Konto verschiebt, während sein Volk verarmt und verhungert.
Wir haben nicht zu wenig Geld, sondern wir haben zu wenige
rechtschaffene Menschen mit Charakter. Vor 7.000 Jahren hätten
wir diese Lehre bestimmt besser verstanden, denn da gab es
keine so großen Unterschiede zwischen reich und arm.

Man arbeitete
um der Arbeit willen und arbeiten war selbstverständlich.
Wenn wir Mensch geworden sind und wir uns über das
Tierreich erhoben haben, wird es gleichzeitig unsere Pflicht zu
arbeiten. Eine höhere Entwicklung bringt eine höhere Verpflichtung
und mehr Verantwortung mit sich.

Polar gesehen sind wir uns des Träumens nicht bewusst, erst
wenn der Traum beendet ist, werden wir uns des Traumes bewusst
und eine andere Wirklichkeit beginnt. Doch diese Denkweise
ist für uns ganz neu und muss deshalb geübt werden, dann
kann sie in Teilbereichen verwirklicht werden und wir werden
ihre Nützlichkeit erkennen und erfahren.

Monistisch gesehen befinden wir uns in einem Traum.
Der polar denkende Mensch will Gutes tun, um Glück zu
bringen, er handelt noch in einer Absicht. Er will dem Negativen
ausweichen, das auf ihn zukommen könnte.

Der monistisch denkende Mensch tut die Dinge um des Tuns
willen und nicht, weil es einen Vorteil oder Nachteil bringen
könnte. Er ist frei von Bindungen, die in Absicht handeln. Er
denkt nicht dauernd an die Konsequenzen, die entstehen könnten,
wenn er das eine tut und das andere unterlässt.

Wir müssen
jetzt zum Beispiel jemanden anrufen, aber es wird Krach geben.
Wenn wir später anrufen oder gar nicht, gibt es auch Ärger.Was
nun? Mitunter haben wir Schuldgefühle, nicht richtig zu handeln.
Doch wenn wir das Ego-Verhalten eines anderen Menschen
immer gewähren lassen und die Fehler von anderen Menschen
rechtfertigen, führt das zum eigenen negativen Karma,
für die wir dann einzustehen haben. Deshalb ist es wichtig für

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den Menschen, die Gesetze der Ethik, der Moral und der Rechtschaffenheit
= dharma zu studieren.
Wir müssen uns in der Unterscheidungsfähigkeit üben, um
herauszufinden, wie wir uns am besten nach dem Göttlichen
Willen verhalten können. Haben wir die Gesetze, die zur dualistischen
Welt gehören, gelernt, dann lernen wir, das monistische
Denken zu verstehen. In dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt
muss vorgegangen werden. Bevor wir das Einmaleins nicht
beherrschen, werden wir keine größere Rechenaufgabe in Zufriedenheit
lösen können.

Die Heiligen haben aus diesem Grunde ein so zufriedenes Leben
und strahlen eine starke Liebe aus, weil sie monistisches
Denken nicht nur erkannt haben, sondern weil sie es schon leben
können. Sie sagen zu uns: Wacht auf aus eurem Traum! Sie wollen
uns sagen: Ihr seid nicht relativ, polar und vergänglich,
schon gar nicht in Sünde geboren, sondern ihr seid Ewiges Sein,
das Wahre Selbst = Atman. Die Gegensätze von gut und böse,
von Freud und Leid, von Sympathie und Antipathie sind einem
dauernden Wechsel unterstellt, nichts bleibt wie es ist in der Polarität.

Es sind die Gunas, sanskrit = Bindungen, die autonom
kommen und gehen und für den Wechsel sorgen.
Der weise, befreite Mensch = Meister ist mit seinen Gedanken
nicht mehr mit Tun und Nicht-Tun beschäftigt, er will nichts
mehr festhalten oder loslassen. Er hat keine Sorge, etwas richtig
oder falsch zu tun. Er tut in der Liebe zu Gott spontan das, was
auf ihn zukommt. Er denkt nicht mehr über Gesetze = Ordnung
nach, er ist zur Ordnung geworden.

Der noch im Ego verhaftete Mensch wird sich immer wieder
gedanklich mit Handeln beschäftigen. Er muss noch seine Sinne
und Gedanken kontrollieren und analysieren, steuern und umwandeln.
Er sehnt sich nach Frieden und Freiheit. Solange wir
noch in diese Bewusstheit sind, können wir keinen andauernden
Frieden erreichen, wir erhalten ihn nur zeitbedingt, denn er

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kommt und geht. Erst wenn wir keinen Frieden und keine Freiheit
mehr haben wollen oder anstreben, weil wir erkannt haben,
dass wir alles schon sind und uns immer mehr von dem Gedanken
lösen, etwas tun zu müssen, werden wir Frieden und
Freiheit Sein.Welche Namen wir auch verwenden, sie gehören
zur polaren Welt und sind von Eigenschaften durchdrungen.
Nur das Wahre Selbst ist unpolar, eigenschaftslos, namenlos.

Es
ist Vollkommenes Sein, absolutes Bewusstsein.
Meine persönliche Erfahrung ist die: Sobald ich bemerke,
dass ich jetzt zufrieden bin, hört das Gefühl auf und ich bin es
nicht mehr. Da wir aber noch am Lernen sind, dürfen wir nicht
denken – ich will meinen Frieden –, sondern ich bin der Frieden
selbst. Sei Frieden = Sein. Denken wir nicht, ich bin gesund,
glücklich und wohlhabend, denn so können wir auch das Gegenteil
denken.

Besser ist zu denken, ich bin Vollkommenes
Sein, ewige Glückseligkeit.

„Der Mensch muss Gott werden! Das ist seine
Bestimmung, das ist der Schöpfungsplan. Deshalb
ist er – wie kein anderes Wesen – mit dem Schwert
des Unterscheidungsvermögens und dem Schild
der Entsagungsfähigkeit ausgerüstet!“
Sri Sathya Sai Baba

Alles ist Gott, alles ist vollkommen, ausser Gott ist nichts.
Diese Erkenntnis üben wir in der Meditation – weil wir immer
noch denken, es noch nicht zu sein und weil wir vergessen haben,
was wir sind – dann werden wir Momente, Minuten, Stunden,
Tage oder Wochen erfahren, wie es ist, im Sein zu sein und
wie es ist, in dieser Liebe eingehüllt zu leben, ganz selbstverständlich,
leicht und mühelos.

So lange wir üben und wollen,
wird unsere Disziplin und Ausdauer gestärkt und unsere
Bemühungen werden belohnt werden durch ein Aha-Gefühl

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und ein neues uns unbekanntes Bewusstsein, das schon immer
anwesend war, wird sichtbar und erfassbar. Werden wir jetzt
nicht ungeduldig oder verzagt. Wir sind ja schon auf dem richtigen
Weg. Ganz plötzlich können wir loslassen und haben kleine
erkennende Lichtblicke, wie es sein könnte und wissen ganz genau,
ich bin das Ist, das Sein, der Atman, das Wahre Selbst.

Wir
sehen die Vielfalt und wissen, dass alles – einzig und allein – Gott
ist. Es gibt keine Individualität, nur universelles Sein. Im Sein
hören alle Gegensätzlichkeiten auf zu existieren. Das Sein ist
monistisch.
„Wenn ihr euch selbst in allen Wesen und
alle Wesen in euch selbst seht, dann habt ihr
die Wirklichkeit erkannt!“
Sri Sathya Sai Baba

Da wir noch keine befreiten Wesen sind, sind wir noch am
Üben und Bewusstmachen der Realität. Doch was müssen wir
üben? Das ist die Frage. Rituale, die uns immer wieder an die Polarität
binden oder Übungen, die uns die Einheit aller Dinge bewusst
werden lassen?

Wenn wir ausserhalb von uns noch etwas
Existierendes anerkennen – also noch etwas erreichen wollen
oder werden könnten – wenn wir nur lange genug üben würden,
ist noch polares Denken. Man übt, die Untugenden loszuwerden,
fühlt sich schuldig und unwohl, wenn man nicht genug meditiert
hat oder fühlt sich schwach und unbeständig und macht
sich Vorwürfe, nicht besser zu sein, denn man muss ja immer besser
werden.

Solche Gedanken schwächen das Wesen viel mehr
als sie ihm nützen. In der Zeit, wo wir uns mit unseren Fehlern
kritisierend herumschlagen und viel unnütze Energie vergeuden,
können wir dieselbe Energie für monistische Übungen einsetzen,
zum Beispiel: durch Beten oder den Namen Gottes so
schnell zu wiederholen, daß sich keine negativen Gedanken mehr

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dazwischen schieben können.
Ich sage zu meinem Geist, dass seine alten, unrichtigen Gedanken,
Gewohnheiten überholt sind und dass meine Bewusstheit
sich erweitert hat und zu neuen Erkenntnissen vorgedrungen
ist. Ich sage zu meinem unwissenden Geist: Wahrlich ich
sage dir, Gott ist in mir und ich bin in Gott, alles ist Gott, alles
ist vollkommen. Ich sage ihm, daß er meine neuen Erkenntnisse
für seine künftigen Planungen verwenden soll und seine alten,
falschen Strukturen aufgeben muss.

Das Böse und Unvollkommene sind nicht in der menschlichen
Natur zu finden, sondern in der Art und Weise, wie der
Mensch seinen Geist gebraucht. Die Form Mensch ist gut und
vollkommen, jedoch sein Geist kann in Böse und in Unvollkommenheit
denken. Wenn die Höhere Intelligenz im Menschen
schläft, führt der Geist schlafwandlerisch das aus, was die
Sinne ihm eingeben.

Wenn der Mensch mit seinem erwachten
Bewusstwerden das herausfindet, wird er aufhören, Böses zu
tun und sich nicht mehr für unvollkommen halten. Nur weil der
Mensch seinen Geist falsch anwendet und ihn nicht bremst,
kann man deshalb nicht sagen, der Mensch sei böse. Es ist richtig
zu sagen, dieser Mensch hat einen bösen Charakter, hat böse
Eigenschaften oder er hat einen bösen Geist.

Das Tier wird von der Natur gelebt und ist für seine Handlungen
nicht verantwortlich. Der Mensch hat in diesem Entwicklungsgrad
einen freien Willen und ist somit für seine Gedanken
und seine Handlungen verantwortlich. Mit seinem Intellekt
und seinem Unterscheidungsvermögen kann er Positives
und Negatives erkennen. Es kommt jetzt darauf an, wie weit er
schon seinen Geist und seine Gefühle beherrschen kann und wie
weit der Atman in ihm schon lebt.
Buddha wurde einmal von jemandem gefragt: Was ist der
Unterschied zwischen uns beiden? „Keiner“, antwortete Er

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spontan. „Doch halt, einer ist da. Ich weiß, daß ich Göttlich bin
und verhalte mich Göttlich. Du weißt nicht, daß du Göttlich bist
und deshalb verhältst du dich nicht Göttlich!“
Wacht auf aus eurem Traum und erkennt euch selbst! Wir
müssen nicht unsere Untugenden bekämpfen, wir müssen unsere
Unwissenheit bekämpfen und die Untugenden haben keine
Basis = keine Grundlage mehr zu gedeihen. Doch wir zäumen
das Pferd am Schwanz auf. Wir wiederholen, ich bin gesund, zufrieden,
ordentlich, pünktlich usw. Von allen diesen Eigenschaften
machen wir Suggestivsätze, die wir dann mit Ausdauer und
Geduld üben.

Ich selbst habe ebenso begonnen, bis ich bemerkte,
daß eine Energie, die voller Kraft ist, fehlte – Gott. Ich begann,
diese Kraft meinen Suggestionen hinzuzufügen und siehe
da, es stellten sich ganz langsam Erfolge ein. Ich formulierte
dann so: „Durch dich, Gott Vater in mir, bin ich tatkräftig und in
Harmonie.“ Untugenden zu bekämpfen, mit der Absicht sie aufzulösen,
sind noch polare Übungen. Wir identifizieren uns täglich
mit der Polarität und die Erfolge lassen auf sich warten.

Wenn wir mit dem Göttlichen Licht arbeiten und Es in unserer
Vorstellung durch unseren ganzen Körper fließen lassen,
muss die Dunkelheit = Unwissenheit weichen, alles wird erhellt
und klar. Die Göttliche Wahrheit teilt sich unserem Geist mit und
wir benötigen nicht mehr so viele Suggestivsätze. Es wird nicht
mehr überlegt, welche Untugenden abzubauen, umzuwandeln
oder aufzulösen sind, sondern wir machen uns die Ursubstanz
bewusst.

Wir üben uns im Einheitsdenken und dabei werden
Probleme und Untugenden nicht berücksichtigt. Wir lösen uns
von den Bindungen, von negativen Eigenschaften und der polaren
Sichtweise. Wir verinnerlichen uns die einzige wahre Wirklichkeit,
zum Beispiel:

„ Ich bin Göttliche, liebende Lichtenergie. Meine wahre Wirklichkeit,
meine Ursubstanz ist Atman. Ich bin ewiges vollkom-

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menes Sein, ewige Glückseligkeit und unsterblich.“
Das sind Übungen, die uns aus der Polarität herausentwickeln,
die uns den Monismus bewusst machen und unsere
Unwissenheit zum Verdampfen bringen. Identifizieren wir uns
noch mit unseren Untugenden und dem Körper, stärken wir die
Polarität und das Getrenntsein. Erkennen wir, daß die ganze
Schöpfung Gott = Atman ist, stärken wir den Einheitsgedanken
= den Monismus.

Doch trotz aller Erkenntnisse, wie es sein könnte oder sein
müsste und wie sich befreite Wesen verhalten und denken, muss
jeder seinem Reifegrad entsprechend anfangen zu üben und an
sich arbeiten. Die schöpferischen Gesetze nicht nur zu erkennen,
sondern sie auch anzuwenden, ist das, was wir üben müssen.
Das Erkennen ist nicht so schwer zu erlernen, doch das Anwenden
muß erarbeitet werden.

Deshalb müssen wir noch lesen und
Naturgesetze lernen, beten und meditieren. Wir müssen die Liebe
kultivieren, um das Wahre Selbst zu erfassen. Erst wenn wir
das Höchste Sein, das Ich Bin geworden sind, hören alle Wünsche
auf. Alle stofflichen und spirituellen Anstrengungen,
Übungen und Unterscheidungsfähigkeiten werden überflüssig
und der Geist wird frei sein von der Vorstellung, handeln zu
müssen.

Es ist selten möglich, dieses Ziel in einem Leben zu erreichen.
Sind wir zufrieden mit dem, was wir bis jetzt erreicht haben,
das ist doch auch eine ganze Menge. Auf dem spirituellen
Weg kann uns, ebenso wie im weltlichen Wettbewerb, der
Größenwahn – was wir sind oder werden wollen – sehr zu
schaffen machen. Wir müssen so, wie wir sind, glücklich und
zufrieden sein und in aller Ruhe und mit Geduld weiter üben.
Wir werden das Ziel in Gleichmut erreichen. Mehr sein zu wollen,
als was wir im Moment sind, ist Ego-Verhalten. Nicht erkennen
zu wollen, was wir wirklich sind, Atman, ist ebenso
Ego-Verhalten. Wir können uns erst wie ein Meister benehmen,

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wenn wir ein Meister geworden sind. Wir können jedoch ein
Meister-Verhalten erforschen und üben, um ein Meister-Denken,
-Sprechen und -Handeln zu zeitigen. Doch alles benötigt Zeit.
„Eins ist in Allem und alles in Einem.
Indem man allein darauf achtet, enden alle
Sorgen, nicht vollkommen zu sein!“

Der Dritte Patriarch des Zen

Alles ist Brahman, um diese Seins-Energie, dieses Bewusstsein
erleben zu dürfen, darum müssen wir beten. Ohne spirituelle
Erfahrungen werden wir immer wieder große Zweifel und
Schwächen erleben. Die Erfahrung stabilisiert den Menschen
und gibt ihm Kraft, seinen Entwicklungsweg nicht zu verlassen
oder lange anzuhalten. Die Trägheit sagt, mache ein andermal
weiter oder das ist nutzlos, lass es sein. Spirituelle Erfahrungen
stärken und verändern uns schneller als jahrelange mentale Rituale.

Sie lassen uns ahnen, was Sein = Gott bedeutet. In negativen
Situationen werden wir an diese Erlebnisse erinnert, wodurch
die Angst zurücktritt und das Vertrauen in die Wahrheit
hervorkommt. So können wir in kürzerer Zeit die Lebensbedingungen
besser einordnen und bewältigen. Es geht meist darum,
die Angst und den Zweifel in den Griff zu bekommen, ohne sie
zu verdrängen. Angst ist ein Gefühl der inneren Unruhe und negativer
Ahnungen, oft sind es nur Vorurteile bis hin zur Panik.

Mit dem Unterscheidungsvermögen werden wir herausfinden,
dass alles Gott = Atman = das Wahre Selbst ist. Danach
brauchen wir keine Unterscheidungsfähigkeit mehr. Was könnte
jetzt noch untersucht und unterschieden werden? Solange wir
uns jedoch noch nicht als das Eine sehen und empfinden können,
benötigen wir die Unterscheidungsfähigkeit als Hilfsmittel,
die Einheit zu erkennen. Wenn wir ein Schmuckstück betrachten,
ist es nicht so wichtig festzustellen, ob es ein Armband, ein Ring

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oder eine Kette ist. Wichtig ist zu erfahren, aus welchem Metall
es hergestellt wurde, nur das zählt. Es ist unwichtig, zu unterscheiden,
ob es eine große oder eine kleine Welle ist, ob sie
schäumt oder nicht. Alles ist das Meer, das allein zu wissen, ist
ausreichend und wichtig. Das Meer lässt die Welle entstehen,
erhält sie und lässt sie wieder zurückfließen. Die Form ist nicht
so interessant wie der Ursprung. Sobald wir uns als das Meer,
als die Einheit und als den Atman erkennen können, brauchen
wir uns nicht mehr um die Form und das Teil zu bemühen, denn
die Form und das Teil ist ebenso nur individuell und zeitlich
begrenzt. Ich, der Mensch = Welle, bin individuell, das ist polares
Denken. Ich, der Mensch = Meer, bin universell, das ist
monistisches Denken.

Die Advaita will uns das wieder in unsere Bewusstheit rufen,
was der schlafende, sich im Traum befindende Mensch
vergessen hat.Werden wir wach und erkennen, daß wir nie etwas
anderes waren als das Wahre Selbst, dass wir nichts werden
und nichts vollbringen müssen, weil wir alles schon sind,
alles schon vollbracht ist und es nie anders war oder sein wird.
Alles, was wir glauben, noch zu werden und vollbringen zu
müssen, ist eine Illusion des Geistes.Wir waren nichts anderes,
wir sind nichts anderes und wir werden nichts anderes als das

Wahre Selbst = Gott, das unsere Ursubstanz ist. Das ist monistische
Philosophie = Advaita.

„Die Erlösung findet statt, wenn die Urenergie
= Atman Ihr eigenes Licht erstrahlt. Sie ist der
Zustand des Einzelwesens = Jiva, welches
die Täuschung abgeschüttelt hat!“
Sri Sathya Sai Baba

Wenn wir in der polaren Welt etwas müssen oder eine Aufgabe
haben, dann ist es, Gott zu lieben, alles andere ist nur Bei-

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werk, bis wir dieses vollbracht haben. Gott zu lieben ist der
wichtigste und der einzig richtige Gedanke beim Sterben.
Bitte denken wir jetzt nicht, daß das ein Freibrief ist für die
Untätigkeit. Auszusteigen aus allen Verpflichtungen ist nicht das
Ziel. Noch sind wir in einer Körperverdichtung, die verhindert,
uns auszudehnen, jedoch unser Geist kann auf Ausdehnung trainiert
werden und muß sich nicht statisch, begrenzt verhalten.

Eine
Nur-Einstellung aus der Sichtweise der Polarität macht kleinlich,
begrenzt, dogmatisch und fanatisch. Die ganze Schöpfung
zieht sich bei diesem engen Denkvermögen zusammen. Und wo
bleibt da Gott in seiner unendlichen und unbegrenzten Allwissenheit?
Um das Karma-Rad anzuhalten, sind monistisches
Denken und Erfahren auf polarer Ebene wichtige Zweige am
Baum der Erkenntnis. Wenn wir die Formen, Namen und Eigenschaften
betrachten, wenden wir die polare Denkweise an.

Wenn
wir die allem zugrunde liegende Ursubstanz = Atman erkennen,
wenden wir die monistische Denkweise an. Wir müssen uns von
der Ebene des polaren Denkens auf die Ebene des monistischen
Denkens weiterentwickeln.

Brahman = Gott, Atman = göttlicher Lichtfunken, Anu =
Atom, sind Sanskrit-Wörter und alles ist dasselbe. Drei Wort-Bedeutungen
für das eine Prinzip. Monistisches Denken ist wie
folgt:

„Der Weise besiegt seine Vergangenheit, indem
er sich nicht länger zur Schöpfung, sondern nur
noch zum Schöpfer bekennt. Je mehr er sich
seiner Einheit mit Gott bewusst wird, umso
weniger Macht wird die Materie über ihn haben!“
Paramahansa Yogananda

Ich erzähle Ihnen ein Erlebnis von mir, das ich dank monistischer
Übungen erfahren durfte. Eines Abends, als ich von zu

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Hause wegfuhr, war mit meinem Auto irgend etwas nicht in
Ordnung. Immer, wenn ich auf 5 km/h Geschwindigkeit herunterkam,
setzte der Motor aus. Ich musste an diesem Abend ins
Bühlertal und spät in der Nacht wieder nach Baden-Baden
zurück. Da ich immer wieder langsamer fahren musste, ging
ständig der Motor aus. Beim zweiten Mal sagte ich laut in meinem
Auto zu mir: Lieber Gott Vater in mir, Du fährst jetzt bitte
das Auto ins Bühlertal und heute Nacht wieder zurück nach
Hause und morgen früh in die Autowerkstatt. Dann kann geschehen,
was will.

Diese Worte zweifelte ich nicht an und ich
bekam keine Angst, wenn der Motor wieder ausging. An diesem
Abend fragte mich eine Schülerin, ob sie bis nach Bühl mitfahren
könnte. Als sie in Bühl ausstieg, sagte sie zu mir: „Glauben
Sie, dass Sie mit diesem Auto nach Hause kommen?“ Ich antwortete
ganz bestimmt und selbstsicher, „Ja natürlich.“ Kaum
war ich zu Hause, rief sie an und wollte wissen, ob ich schon
angekommen wäre. Sie meinte, da haben Sie aber Glück gehabt.
Das Glück, das ich hatte, war mein monistische Bewußtheit, in
welchem ich mich befand und blieb. Ich war im absoluten Vertrauen
zu Gott und meine Denkweise veränderte sich nicht.

Als
ich am anderen Tag in der Werkstatt ankam, zeigte mir der Automechaniker
zwei Drähte, die nicht mehr zusammen waren
und fragte mich: “Wie sind Sie hierher gekommen?“ Ich antwortete:
fahrenderweise. Ich stand noch mit einem anderen
Herren, der bedient werden wollte, vor der Garage und wir hörten,
was der Mann in der Werkstatt zu seinem Kollegen sagte:
„Du, da draussen steht eine Frau, die fährt ohne Kontakt mit
ihrem Auto herum!“ Der Herr, der neben mir stand, sah mich
mit einem langen Blick an, der besagte, wo kommen Sie denn
her. Dann wandte er sich kopfschüttelnd von mir ab.
Als ich wieder zu Hause war und klar denken konnte, wurde
mir erst deutlich bewusst, was in dieser Auto-Situation vor
sich gegangen war. Ich befand mich in einem unpolaren Zu-

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stand. Ich überlegte, wie hätte ich noch vor ein paar Jahren in der
gleichen Situation gedacht. Es wurde mir klar, ich hätte nur negative
Befürchtungen gehabt. Angst, daß ich nachts mit meinem
Auto auf der Straße stehenbliebe, weit und breit kein Mensch wäre,
der mir helfen könnte und daß ich kilometerweit zu Fuß gehen
müsste. So war es aber nicht mehr.
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ieses Erlebnis war ein Ergebnis von jahrelangem monistischen
Training, das besagt, dass alles Gott ist und alles in der
Göttlichen Liebe geschieht. Leider kann ich das unpolare Seins-
Bewusstsein nicht immer heranholen, wie ich will. Ich kann nur
geschehen lassen, was geschieht und hoffen, dass, wenn ich in
einer schwierigen Lage bin, in diesen erleuchteten Zustand wieder
hineinfallen darf. Hinterher zählt nicht mehr die Situation, die
gemeistert wurde, sondern nur der friedvollen Stimmung und die
Freude, so etwas erlebt zu haben. Es ist wie eine Droge, eine
Droge der Seligkeit. Man fühlt sich so mit Gott verbunden und
Ihm so nah, daß für ein anderes Denken und Fühlen kein Platz
mehr ist.

Das Geschehnis selbst tritt in den Hintergrund und wird
ganz unwichtig, total unwichtig.
Es ist nicht so, dass wir jetzt nur noch monistisch denken und
polares Denken als falsch betrachten dürfen. Nein, monistisches
Denken ist ein erweitertes Denken.Wir müssen es zum polaren
Denken hinzunehmen, denn so können wir von Fall zu Fall entscheiden,
welche Denkweise jetzt in dieser Situation am effektivsten
wäre.

„Da gibt es diejenigen, die meinen, die Welt
existiere und sei Wirklichkeit. Da gibt es
diejenigen, die meinen, die Welt existiere nicht
und sei keine Wirklichkeit. Nur wenige
Gesegnete gibt es, die darüber nicht nachdenken,
sondern immer still im absoluten Sein ruhen!“
Astavakra Gita

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Text: Christa Keller

 

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Bild: Pixabay